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Stellungnahme des Gesamtelternbeirats der Tageseinrichtungen für Kinder in Singen zur gegenwärtigen Personalsituation an Singener Kitas

Stellungnahme des GEB-Kita – per Mail am 19.09.2018

Sehr geehrte Frau Seifried, sehr geehrte Frau Braun, sehr geehrte Frau Boll, sehr geehrter Herr Kalb,
hiermit bezieht der Gesamtelternbeirat der Tageseinrichtungen für Kinder in Singen Stellung zur gegenwärtigen Personalsituation an Singener Kitas.
Wir hoffen, dass unser Anliegen auf offene Ohren stößt und möchten weiterhin mit der Stadtverwaltung, aber auch mit dem Gemeinderat, im Austausch darüber bleiben, wie eine angemessene Personalsituation einerseits und eine ausreichende Anzahl an Betreuungsplätzen andererseits unter Einhaltung sozialverträglicher Gebühren geschaffen werden kann.
Für den Gesamtelternbeirat der Kindertageseinrichtungen
Markus Sonnenschein, Annika Klotz, Ronald Werner


Stellungnahme
Nahezu täglich liest man in den Zeitungen die Äußerungen der Politik zur aktuellen Lage in der Altenpflege. Aber nicht nur in der Pflege steuert Deutschland auf ein großes Problem zu, sondern auch in der Betreuung der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft! In Singener Kindertagesstätten sind der Fachkräftemangel einerseits und der Mangel an Betreuungsplätzen andererseits bereits jetzt deutlich zu spüren. Der Gesamtelternbeirat für Kindertagesstätten fordert, dass die Stadt Singen ihre Bemühungen intensiviert, um geeignete Fachkräfte auszubilden oder anzuwerben und um eine ausreichende Anzahl an Betreuungsplätzen zur Verfügung zu stellen.

Durch den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz war und ist die Stadt Singen gezwungen, ihr Angebot an Betreuungsplätzen massiv auszubauen. In Anbetracht der stetig steigenden Baukosten ist es für die Stadt, wie auch für die freien Träger, kaum mehr möglich, zeitnah die erforderliche Anzahl an Plätzen anzubieten. Der Bedarf an Betreuungsplätzen wird aber in den nächsten Jahren weiter stark ansteigen, vor allem der Bedarf an Ganztagesplätzen; ein Trend, der sich bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat. Daher greift die Stadt zu kreativen Lösungen wie der geplanten Errichtung einer Kita in Modulbauweise.

Durch die wachsende Anzahl der Betreuungsplätze und den wachsenden Bedarf an Ganztagesbetreuung ergibt sich das nächste, schwierigere Problem. Für mehr Plätze und längere Betreuungszeiten werden immer mehr ErzieherInnen benötigt. Auf dem Arbeitsmarkt stehen aber nahezu keine zusätzlichen ErzieherInnen zur Verfügung. Dadurch können offene Stellen in den Einrichtungen zum Teil erst nach langer Zeit oder gar nicht (nach)besetzt werden. Auch der Einsatz von sogenannten „Springern“, die flexibel von einzelnen Trägern z.B. bei Krankheitsausfällen eingesetzt werden, kann die Lücken, die durch fehlendes Personal entstehen, nicht mehr auffangen.

Die Leidtragenden dieser Situation sind die Kinder, da durch die dünne Personaldecke die Qualität der Betreuung sinkt und die ErzieherInnen einer permanenten Überforderung ausgesetzt sind. Hier beginnt der Teufelskreis. Diese Situation erhöht Krankenstände in den Reihen der ErzieherInnen und dünnt die Personaldecke weiter aus. Obwohl der aktuelle Ländermonitor Frühkindliche Bildung dem Land Baden-Württemberg einen guten Betreuungsschlüssel attestiert, erleben Singener Eltern in einzelnen Einrichtungen, dass betreuungsintensive Aktivitäten wie Turnen, Basteln im Kreativraum oder Spielen im Garten nicht mehr angeboten oder gekürzt werden. Bestehende Kita-Gruppen werden vorübergehend geteilt und mit anderen Gruppen zusammengelegt, um die Betreuung gewährleisten zu können. Im schlimmsten Fall erfolgt die Kürzung der Betreuungszeit in der Einrichtung, so dass Kinder erst später gebracht werden können oder früher abgeholt werden müssen. Diese Situationen haben Eltern in verschiedenen Einrichtungen im Stadtgebiet Singen im vergangenen Kita-Jahr bereits erlebt.

Berufstätige Eltern mit begrenztem Urlaubsanspruch kommen hier an ihre Grenzen, da sie fehlende Betreuungsmöglichkeiten, oftmals kurzfristig angekündigt, anderweitig kompensieren müssen. Auch für Arbeitssuchende ist die Situation alles andere als optimal, wenn sie für ihr Kind keinen oder keinen geeigneten Betreuungsplatz bekommen, der sich mit ihren anvisierten Arbeitszeiten verbinden lässt. Dabei ist festzustellen, dass es nicht ausreichend ist, irgendeinen Kitaplatz zur Verfügung zu stellen. So hat das Verwaltungsgericht Aachen im August im Fall eines einjährigen Kindes entschieden, dass sich die wöchentliche Betreuungszeit am konkreten zeitlichen Bedarf der Eltern orientieren muss.

Durch die derzeit laufenden Baumaßnahmen in Singen wird sich die Situation weiter verschärfen. Zum einen entsteht neuer Wohnraum in Singen; Familien, die neu nach Singen ziehen, werden für ihre Kinder ebenfalls Kitaplätze beanspruchen. Zum anderen entstehen durch den Bau des CANO Einkaufzentrums neue Arbeitsplätze. Es ist davon auszugehen, dass Verkäuferinnen, die lediglich über einen Regelplatz oder einen VÖ-Platz für ihre Kinder verfügen, keine Chance auf einen festen Arbeitsplatz haben werden, da sie weniger flexibel im Schichtbetrieb eingesetzt werden können.

Die Stadt und die freien Träger in Singen können dieses Problem nicht alleine lösen, aber es muss von der Gemeinde ein Signal ausgehen, dass das Land und der Bund nicht nur im Bereich Pflege sondern auch im Bereich Kinderbetreuung aktiv werden müssen.

Darüber hinaus muss die Stadt selbst ihre Bemühungen intensivieren, ErzieherInnen auszubilden oder anzuwerben und ausreichend Betreuungsplätze zu schaffen. Der Gesamtelternbeirat sieht dringenden Bedarf, die Ausbildung der ErzieherInnen attraktiver und durchgehend praxisnah zu gestalten. Auch das Angleichen der Bezahlung während der Ausbildungszeit an andere Lehrberufe kann ein Anreiz für geeignete BewerberInnen sein, sich für das Berufsfeld „Erzieher, Kinderpfleger“ zu entscheiden. Darüber hinaus könnten ausgebildete ErzieherInnen durch die Bereitstellung von günstigem Wohnraum dafür gewonnen werden, in Singener Kitas zu arbeiten.

Nach der Ausbildung leisten ErzieherInnen einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft. Aus Sicht des Gesamtelternbeirats ist es unverständlich, warum Menschen, die unsere Autos bauen, mehr verdienen als Menschen, die unsere Kinder erziehen. Hier sollte eine spürbare Verbesserung der Entlohnung stattfinden, um dem Fachpersonal in den Kitas größere Wertschätzung entgegenzubringen.

Das Problem Fachkräftemangel ist bereits heute in den Singener Kindertageseinrichtungen spürbar und wird sich weiter zuspitzen. Wir, der GEB, als Vertreter der Singener Elternschaft, sehen die Notwendigkeit, das öffentliche Interesse auf dieses Thema zu lenken. Es geht um den Erhalt und den Ausbau von guten Betreuungsangeboten, und es geht um kindgerechten Lebensraum, die bedarfsorientierte Förderung und Erziehung unserer Kinder sowie um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Finanziell muss die Investition in die Einrichtungen und in das dazugehörige Personal möglich sein, ohne die Elternbeiträge weiter zu erhöhen, denn selbst das Land Berlin, das größter Empfänger aus dem Länderfinanzausgleich ist, erhebt seit dem 01. August 2018 keine Kita-Gebühren mehr.

Ergebnis der Postkartenaktion zur Gebührenerhöhung

Liebe Elternbeiräte, liebe Eltern,

hiermit möchten wir uns bei allen Elternbeiräten und Eltern bedanken, die an der Postkartenaktion des Gesamtelternbeirats teilgenommen haben, um sich gegen die Erhöhung der Beiträge für die Kindertageseinrichtungen auszusprechen. Auch wenn Eure Einrichtung sich nicht beteiligt hat, seid ihr vielleicht an den Ergebnissen interessiert.

Wir haben insgesamt 199 Postkarten aus 12 Kindertageseinrichtungen zurück erhalten. Durch den Rücklauf haben wir einen Eindruck bekommen, welche Auswirkungen die Gebührenerhöhung für einen Teil der Familien hat.

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Postkartenaktion des GEB Singen im Sommer 2017. Insgesamt wurden 199 Postkarten ausgefüllt. Foto: geb-singen.de

Die Ergebnisse der Postkartenaktion werden weitergeleitet verbunden mit dem Aufruf, dass auf weitere Gebührenerhöhungen im nächsten Jahr verzichtet werden soll.

Wir erwarten nicht, dass wir die diesjährige Gebührenerhöhung rückgängig machen können, aber wir erhoffen uns, dass bei zukünftigen Diskussionen über Erhöhungen die Konsequenzen für die Familien stärker berücksichtigt und dementsprechend sozialverträglichere Gebührenmodelle verabschiedet werden.

Für den Gesamtelternbeirat der Kindertageseinrichtungen

Anke Schlums                        Annika Klotz                           Ronald Werner

Postkartenaktion zur aktuellen Gebührenerhöhung

Um gegen die für September 2017 geplante Kita-Gebührenerhöhung zu protestieren, führt der Gesamtelternbeirat eine Postkarten-Aktion durch, mit der die Eltern der Stadt mitteilen können, was diese Gebührenerhöhung konkret für ihre Familie bedeutet. 

postkartenaktion-2017

Postkartenaktion des GEB – Die Postkarten werden im Juli an die Singener KiTa-Eltern verteilt.

Die Stadt Singen hat in der Gemeinderatssitzung vom 03.05.2017 die Beiträge für die Kindertageseinrichtungen nach den Empfehlungen des Städte- und Gemeindetages um die maximale Höhe der Empfehlung um 8 Prozent erhöht. Der Gesamtelternbeirat der Kindertageseinrichtungen in Singen (GEB) hat sich vorab in einer Stellungnahme gegen diese Erhöhung ausgesprochen, da insbesondere Familien mit mehreren Kindern erheblich belastet werden.

Uns ist bewusst, dass qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, wie sie jeden Tag in den Einrichtungen gewährleistet wird, ihren Preis hat. In einem Jahr, in dem die Einnahmen aus Gewerbesteuer und Einkommenssteuer Rekordsummen erreichen und die Stadt zudem mit einem zweistelligen Millionenbetrag aus dem Verkauf der Grundstücke an ECE rechnet,
halten wir die Umlegung der Kosten auf die Eltern in dieser Höhe allerdings nicht für gerechtfertigt.

Stellungnahme zur Anpassung der Benutzungs- und Verpflegungsgebühren für die städtischen Kindertageseinrichtungen ab dem 01.09.2017

Stellungnahme des GEB-Kita – per Mail am 23.03.2017

Sehr geehrter Mitglieder des FSO und des Gemeinderats, sehr geehrter Frau Seifried,
sehr geehrter Herr Kalb,

wir fordern, dass von der drastischen Steigerung der Beiträge Abstand genommen wird.

Für uns Eltern sind die Kinder das Wertvollste, das wir haben. Ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen ist unsere tägliche Sorge. Wir als Gesamtelternbeirat der Kindertagesstätten finden, dass unsere Kinder auch das wichtigste für die Zukunft unserer Stadt sind. Kinder und Kindertagesstätten benötigen daher besonders viel soziale Aufwendungen.

Die steigenden Geburtenzahlen der letzten Jahre belegen, dass die Stadt Singen bislang den richtigen Weg gegangen ist und in Kinderbetreuung investiert hat. Es bleibt weiterhin einiges zu tun, da die Kindergartenplätzen für Kinder ab 3 Jahre noch nicht ausreichen.

„Damit alle Kinder die gleichen Startchancen bekommen, ist es wichtig, die frühkindliche Bildung zu stärken. Neben der Familie spielen Kitas daher eine wichtige Rolle. Hier können unsere Kleinsten gemeinsam mit anderen Kindern spielen, lernen und viel erleben. Das ist ein wichtiger Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit.“ (aus dem Koalitionsvertrag BW 2016).

Die Ankündigung der Stadt Singen und die Empfehlung des Städtetages, die Kosten drastisch zu erhöhen, also genau das Gegenteil von der von der Landesregierung angekündigten Entlastung, trifft auf sehr viel Unverständnis in der Elternschaft.

Die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit zu fördern muss für die Stadt Singen wichtig sein, wo Arbeitskräfte benötigt werden und viele Familien von Armut bedroht oder belastet sind. Die Möglichkeit der Erwerbstätigkeit ist insbesondere für Frauen wichtig, um sich vor Altersarmut zu schützen.

Eine Erhöhung der Beiträge belastet insbesondere Familien mit mehreren Kindern erheblich. Bei gleichzeitig steigenden Mieten und sonstigen Lebenshaltungskosten kann der Anstieg durch einen gemäßigten Anstieg der Löhne nicht kompensiert werden und führt daher schon jetzt zu einer unverhältnismäßige Belastung der Familien mit Kindern.

In einigen Einrichtungen wird ein sehr hoher Anteil der Elternbeiträge bereits vom Jugendamt getragen. Dies belegt, dass die Elternschaft jetzt schon über Gebühr belastet ist.

Es ist von Seiten der Landesregierung bereits vorgesehen, dass Familien bei der Finanzierung des Besuchs eines Kindergartens im Jahr vor der Einschulung entlastet werden sollen, um so die frühkindliche Bildung zu fördern. Das Land ist hier in die Pflicht zu nehmen diese Ankündigung umzusetzen.

 

Gründe gegen die Erhöhung:

  • Die Anpassungen für Löhne und Gehälter der Eltern passen sich nicht in der gleichen

    Weise wie die Gebühren an. Hier können Eltern „nur“ mit Anpassungen von 2 – 3 % rechnen, die auch die anderen Preissteigerungen der Lebensführung abdecken müssen.

  • Viele Familien geben für die Kinderbetreuung so viel aus wie für die Wohnung. Die Stadt hat es nicht geschafft rechtzeitig für genügend Wohnraum zu sorgen. Sie hat es zwar versucht (GVV) war aber wohl nicht so erfolgreich, d.h. in Singen ist für Familien der Betrag für Wohnen ein erheblicher Fixkostenanteil des Familienbudgets.
  • Familien, die mehrere Kinder im Alter von 0 – 6 Jahren haben, sind vor große finanzielle Herausforderungen gestellt. Die absoluten Beträge sind enorm.
    Ein Beispiel:
    Familie mit insgesamt 3 Kindern: Betreuungskosten für 1 Kindergartenkind, 1 Krippenkind aktuell 513,- € mit Essen, das dritte Kind benötigt ab Herbst einen Krippenplatz, dann sind die Kosten bei 616,- € für 2 Krippenkinder (GT). Anderes Beispiel:

    Familie mit 3 Kindern (1 Schulkind, 1 Kindergartenkind, 1 Krippenkind) bezahlt für die beiden Kinder 286,- € ohne Essen (VÖ).
    Dagegen stehen durchschnittliche Einkommen von 2200,- € – 2500,- €, das alle Kosten für 5 Personen zu tragen hat.

  • Besonders Familien mit mehreren Kindern sind stark durch die Gebühren belastet, denn ein einkommensorientiertes Rabattmodell oder das Württemberger Modell (abhängig nach Anzahl der Kinder im Haushalt) wurde trotz großem Engagement des GEB Kita nicht eingeführt
  • Alternativ dazu kann ein Elternteil kein oder nur geringfügiges Einkommen erzielen, werden die Kinder zu Hause betreut. Damit fehlt Familien wiederum ein Teil ihres Budgets um die Kosten des Lebensunterhalts zu decken und die Steuereinnahmen durch Konsum vor Ort.
  • Die Möglichkeit zusätzliche Angebote wie Musikschule und Sportangebote wird deutlich eingeschränkt, weil der finanzielle Spielraum enger wird.

    Der GEB der Kindertagesstätten ist deutlich gegen eine Erhöhung der Gebühren in dem geplanten Umfang.

    Für den Gesamtelternbeirat der Kindertageseinrichtungen

Anke Schlums, Annika Klotz, Ronald Werner