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Antwort zu „Stellungnahme des Gesamtelternbeirats der Tageseinrichtungen für Kinder in Singen zur gegenwärtigen Personalsituation an Singener Kitas“

Auf die Stellungnahme des Gesamtelternbeirats der Tageseinrichtungen für Kinder in Singen zur gegenwärtigen Personalsituation an Singener Kitas hat der GEB am 23.10.2018 folgende Antwort per Brief und Email erhalten:

Sehr geehrte Frau Klotz, sehr geehrter Herr Sonnenschein und Herr Werner,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme.

Die von Ihnen angesprochenen Themen beschäftigen mein ganzes Dezernat sehr intensiv. Durch die Bevölkerungsprognose und die aktuellen Zahlen, die wir immer wieder abfragen, ist uns sehr bewusst, dass unsere Bevölkerungszahl und damit auch die Zahl der Kinder, für die wir Kita- und Schulplätze benötigen, wächst.

Wir erstellen daher regelmäßig unsere Bedarfsplanungen, reagieren aber auch möglichst schnell auf nicht prognostizierte höhere Realzahlen. So haben wir im Pestalozzigebäude, das im ersten Halbjahr 2019 bezugsfertig sein soll, eine zusätzliche Gruppe eingeplant. Auch die Pläne des Ersatzbaus für die Kita Bruderhof wurden überarbeitet und bieten neben dem Platz für die bestehenden Gruppen jetzt auch Platz für eine zusätzliche Gruppe. Auf die sehr schwankenden Zahlen in den nördlichen Ortsteilen haben wir mit dem Container in Beuren reagiert, wo aktuell die höchsten Bedarfe bestehen. Dies wird sich in den kommenden Jahren ändern und mit dem Container, dessen Inneneinrichtung sehr schön geworden ist, können wir darauf reagieren und ihn bei Bedarf in einen anderen nördlichen Ortsteil umsetzen.

Auf die über der Bevölkerungsprognose liegenden Kinderzahlen, insbesondere bei den 3-6-jährigen, reagieren wir mit dem Neubau einer Kita in der Nordstadt. Wir haben uns hier für eine sehr wertige Fertighausbausweise entschieden, die auf Grundlage der Vorgaben des Landesjugendamtes erstellt wird und damit alle Anforderungen an eine gute Kita erfüllt. Es handelt sich dabei nicht um eine Containerlösung, wie es teilweise schon in den Kitas kommuniziert wurde, sondern um eine sehr gute und solide Fertigbauweise.

Auch mit unseren freien Trägern sind wir im Gespräch wie wir noch zusätzliche Gruppen schaffen können so z.B. in St. Michael aber auch noch in weiteren Kitas. Auch das Thema Ganztagesplätze aber auch Plätze mit verlängerten Öffnungszeiten am oberen Zeitlimit sind in den Plänen bei uns und in den Gesprächen mit unseren Trägern ein großes Thema, da hier die größten Bedarfe bestehen.

Ich teile Ihre Sorge um das Thema Fachpersonal. Aktuell stehen wir bei den städtischen Einrichtungen noch sehr gut da, wir haben derzeit vier offene Stellen bei 133 Stellen, die einfach der normalen Fluktuation geschuldet sind. Durch unsere guten Bedingungen (kleinere Gruppengröße, Leitungsfreistellungen, nur 50% Anrechnung der Anerkennungspraktikanten auf den Stellenschlüssel, Kita-Plätze für Mitarbeiter/innen, Familienberatung, Sprachförderung) finden es immer noch viele Erzieherinnen und Erzieher attraktiv in Singen zu arbeiten. Ich bin mir, ebenso wie Frau Braun, Abteilungsleiterin der städtischen Kitas, aber bewusst, dass sich das sehr schnell ändern kann, wenn wir noch mehr Personal benötigen. Deshalb sind wir ja auch von Beginn an in die PIA-Ausbildung mit eingestiegen und wir werden weiterhin sehr aktiv um gutes Personal und Auszubildende werben. Hier erfahren wir durch unsere Personalabteilung auch eine sehr tatkräftige Unterstützung.

Wohnraum führt natürlich zu mehr Nachfrage, wir brauchen den Wohnraum aber auch, um unserem Personal Wohnmöglichkeiten zu geben. Mit dem Klinikum Singen sind wir in Gesprächen um Familien im Schichtdienst ein Angebot machen zu können, dass dann aber auch ergänzend von dort mitfinanziert wird. Ich sehe hier eben nicht nur die Kommunen, sondern auch die Arbeitgeber in der Pflicht, die Personal benötigen, um Gewinne zu realisieren.

Deshalb freue ich mich, dass auch die Firma Maggi darüber nachdenkt, die freiwerdende Maggi-Kita nicht auf zu geben, sondern wieder eine Betriebs-Kita zu eröffnen. Ich hoffe, dass die diese Pläne umgesetzt werden.

Ich stimme Ihnen zu, dass der Lohnunterschied zwischen den Menschen die Autos bauen und Menschen die unsere Kinder erziehen, nicht nachvollziehbar ist. Diese Entwicklung, die daraus resultiert, dass viele Berufe wie Erzieher*innen, Altenpfleger*innen, Krankenpfleger*innen früher oft durch Angehörige von Klöstern für „Gottes Lohn“ ausgeführt wurden und diese Vorstellung heute immer noch in den Köpfen existiert, ist völlig überholt. Wir brauchen hier ein anderes Wertesystem.

Ärgerlich bin ich allerdings über Länder wie Berlin, die am „Tropf“ anderer Länder hängen und sich die „Wohltat“ gebührenfreier Einrichtungen an die Brust heften. Auch ich würde mich freuen, wenn die frühkindliche Bildung gebührenfrei wäre, wie alle Bildung aus meiner Sicht allen Menschen frei zugänglich sein muss. Ich muss aber ganz klar sagen, dass wir als Stadt Singen das finanziell nicht alleine stemmen können und immer noch auf eine moderate Erhöhung der Gebühren angewiesen sind. Das könnte sich durch das „Gute-Kita-Gesetz“ des Bundes ändern, der durch die Mitfinanzierung ja auch ausdrücklich eine Entlastung der Familien mit andenkt.

Es würde mich freuen, wenn wir zu diesen Themen im Austausch bleiben und Sie Ihre Vorschläge in unsere Diskussionen mit einbringen.

Wir überarbeiten mit unseren Trägern derzeit die Zuschuss-Richtlinien und werden Ihnen diese dann auch wieder zur Stellungnahme, voraussichtlich Anfang bis Mitte Dezember zukommen lassen. Ich werde mein Vorzimmer bitten dazu auch einen Termin zum Austausch zu koordinieren, bei dem wir auch andere Anliegen von Ihnen besprechen können.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihre Ute Seifried

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